Generalversammlung in Admont 1992


Das Erste mal.


Mit Hägar´s blauen Ente checkten wir am Vorabend am Bahnhof Feldkirch ein und bestiegen den Autoreisezug Richtung Graz. Nach einer ruhigen Nacht, in der einige Büchsen Bier mit Luft gefüllt wurden, kamen wir in Graz an.

Des Nächtens hatte es wohl geschneit, denn die Fahrwerke der Zuggarnituren waren schön weiß. Wir begaben uns wie alle anderen Passagiere zu unserem Fahrzeug, stiegen ein und Hägar startete, so war es seine Absicht. Die Technik antwortete auf die Startversuche mit Schweigen. Nichts. Wir öffneten die Motorhaube und sahen uns fragend an. Dort, wo in der Regel Zündspule, Öl-Einfüllstutzen, Luftfilter, Getriebe und Motor sichtbar waren, strahlte uns eine schneeweiße Winterlandschaft entgegen. Aufgrund des Fahrtwindes hatte sich der Motorraum mit Triebschnee gefüllt. Die hinter uns verladenen Fahrzeuge, d.h. deren Fahrer, wurden langsam nervös, und so mussten wir, unter mitleidigem Lächeln des Bahnpersonals, unser Vehikel vom Waggon herunterschieben. Vor dem Bahnhof versuchten wir die Kontakte irgendwie zu trocknen und mit Kontaktspray wieder Kontakt herzustellen. Doch nach vielen Startversuchen verabschiedete sich auch die Batterie in den spannungslosen Zustand, sie war sozusagen entspannt. Ganz im Gegensatz zu uns, denn wir fuhrwerkten sicher schon eine volle Stunde herum, und es bewegte sich immer noch nichts. Auch die Starthilfe durch einen japanischen Kleinbus war vergeblich. Erst das Anschleppen zeigte einen hörbaren Erfolg. Ein großes Dankeschön dem türkischen Kleinbusfahrer. Die Einheimischen, die wir ansprachen, hatten leider keine Zeit.

So, jetzt schnurrte der Zwoa-Zylinder wieder wie gewohnt. Die Anfahrt zur Oberst Klinke Hütte war bis zur Abzweigung von der Hauptstraße problemlos. Dann folgten Schnee- und Eisfahrbahnen. Dank Hägar´s vorrausschauender Planung der Winterausrüstung hatten wir abgefahrene Winterreifen, keine Ketten und größte Vortriebsprobleme. Bei einer Steilstrecke ging dann wirklich nichts mehr. Also musste Ballast auf die Antriebsräder. Das heißt der Beifahrer = Ich bestieg die vordere Stoßstange und klammert mich mit den Händen oberhalb der Dreiecksbleche an die Motorhaube. Und siehe da, sie bewegte sich doch. Trotz lautstarker Proteste durfte ich erst nach 3 km wieder in die Wärme.

Da wir das Erstemal die Oberst Klinke Hütte besuchten, fuhren wir genau nach der Anfahrtsskizze aus dem Narizin, und dort war ein Parkplatz bei der Talstation des Sesselliftes eingezeichnet, der auf geradem Weg überquert werden musste. Um den dringend notwendigen Schwung nicht zu verlieren, überquerten wir den Parkplatz mit ca. 60km/h. Am Ende des Parkplatzes musste der Weg weitergehen, so besagte es die bereits genannte Karte. Doch alles erschien weiß – die Schneewände und der Boden - nur zwei kaum erkennbare Schneestangen kamen uns rasend schnell entgegen, und sie schienen die Ausfahrt zu begrenzen. So war es. Das Weiß verschluckte uns, und tatsächlich, dahinter verbarg sich die weiße Hölle, in der wir verschwanden, um einige Meter weiter im kniehohen Schnee stecken zu bleiben. Beobachter in der am Parkplatz stehenden Schutzhütte beglückwünschten uns später zu der mutigen Fahrt. Auch allradgetriebene Fahrzeuge waren nicht weiter gekommen.

Damals fand die Generalversammlung noch am Samstag-Abend statt und der Wirt spendierte das obligatorische Bierfaß, wobei sich während einer hitzigen Diskussion folgende Begebenheit begab: Hägar meldete sich in dem uns Gsibergern eigenen Dialekt zu Wort und erntete jedoch nur fragende Blicke. Der Schützinger fand als Erster die Sprache wieder und sprach: „Hearst, red Englisch, dann varsteht ma di !“.



Thomas Klasi